Am diesjährigen siebten Bayerische Hospiz- und Palliativtag in Nürnberg nahmen von unserem Hospizverein fünf Personen teil. Insgesamt hatten sich fast 500 Teilnehmern aus ganz Bayern angemeldet. Darunter viele Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter, aber auch Koordinatoren, Pflegepersonal aus Palliativstation oder Hospizen, sowie 20 Ärzte und einige Seelsorger und Psychologen. Alle wollten sich informieren, was es Neues aus dem Bereich Palliativ und Hospiz gibt.

Neben einigen Top-Referenten aus Politik und Hospizbereich boten Referenten aus ganz Deutschland in 23 Workshops hochinteressante Themen an wie: „Smart sterben – Tod 4.0 – Wie werden wir in 20 Jahren sterben?“ oder „Achtsames Mitgefühl – Für sich selbst sorgen, heißt für andere sorgen“.
Vielfach war in den Vorträgen und Diskussionen zu hören, dass das neue Hospiz- und Palliativgesetz von 2015 ein großer Schritt nach vorne gewesen sei, aber dennoch einige „Baustellen“ geblieben sind. So würden bei Sterbenden im Krankenhaus oder der Betreuung durch die SAPV der Augenmerk zu sehr auf krebskranke Patienten gerichtet und zu wenig auf Menschen, die durch andere Krankheiten dem Tode nahe stehen. Auch trieb einige Referenten die Sorge um, dass durch die neuen Bedingungen seit 2015 eine „Ökonomisierung und Kommerzialisierung“ stattfinde, welche die klassische, ehrenamtlich geprägte Hospizarbeit verdrängen könnte.

Ebenso ging es intensiv um die Frage: „Ist es wirklich möglich, im Sterbeprozess die menschliche Würde zu wahren? Und was macht diese Würde überhaupt aus?“ Prof. Ernst Engelke aus Würzburg vertrat die provokante These, dass Deutschland ein „gespaltenes Verhältnis zu Sterben und Tod“ habe. Er konstatierte: „Einerseits sehen sich die Menschen jeden Sonntagabend mit Wonne im Tatort an, wie Menschen möglichst grausam Sterben – auf der anderen Seite verdrängen sie das Thema im realen Leben, wo immer es nur geht!“

Einig waren sich alle Vortragenden, dass „allein der Patient die Ressource der Begleitung“ sei. Das bedeutet: der Patient allein gibt dem Begleitenden vor, was er für sich braucht. Sei es das Maß der Nähe, die Menge des Essens oder auch der Umfang an Kommunikation. Dies gelte in besonderem Maße für demenzkranke Sterbende. Prof.
Engelke vertrat auch die Meinung, dass Palliativstationen und Hospize nicht die allseits bekannten „Räume der Stille“ bräuchten, sondern vielmehr „Räume der Klage“, in denen laut und verzweifelt die Wut und Trauer der Betroffenen und ihrer Angehörigen hinaus geschrien werden dürfe. Er selber wolle einmal so etwas für sich! Die Teilnehmenden unseres Vereins erlebten dieses große Hospiztreffen „vor der eigenen Haustüre“ als sehr interessant und inspirierend. Der nächste Bayerische Hospiz- und Palliativtag findet in zwei Jahren statt, dann in Deggendorf.

Dieter Steger