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VON STEFANIE GRAFF – Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung
Foto: Festlicher Empfang anlässlich der Einführung von Diakon Dieter Steger in seinen Dienst

Hospizverein Hilpoltstein-Roth hat mit Dieter Steger erstmals einen hauptamtlichen Koordinator — Enge Kooperation mit Ehrenamtlichen

Als Hospizkoordinator ist er seit Anfang des Jahres erster und einziger Hauptamtlicher unter lauter Ehrenamtlichen im Hospizverein Hilpoltstein- Roth. Dieter Steger versteht sich als „Dienstleister für die ehrenamtlich geleistete Hospizarbeit“ im Landkreis Roth. Die Vorsitzende des Hospizvereins Agathe Meixner ist froh, dass dem Hospizbegleiter-Team jetzt eine hauptamtliche Fachkraft den Rücken für den Dienst am Menschen freihält und damit auch der Weg für neue Möglichkeiten geebnet ist.

LANDKREIS ROTH — „Er ist eine Idealbesetzung“, sagte Agathe Meixner beim Pressegespräch über den Koordinator, der vor einigen Wochen das frisch renovierte Büro in der Bahnhofstraße bezogen hat. Lange hatte der Hospizverein mit der Entscheidung gerungen, sich hauptamtliche Unterstützung ins Haus zu holen. Man sah die Notwendigkeit, hatte aber auch Zweifel, ob das gut zusammenlaufen könne.
Die Hospizbewegung, die sich um Schwerstkranke, Sterbende und Trauernde bemüht, ist eine ehrenamtliche Bewegung, die hochprofessionell – nur mit speziell ausgebildeten Kräften – aber ohne Bezahlung einen besonderen Dienst am Mitmenschen leistet. „Wir sind da, wenn Menschen am Lebensende und ihre Angehörigen Unterstützung und Begleitung brauchen.“ An sieben Tagen die Woche ist der Hospizverein erreichbar.
Dahinter steckt auch viel Organisa- tion, Koordination und Verwaltung. Aufgaben, die die Vereinsvorsitzende bislang mithilfe der anderen Ehrenamtlichen – neben Familie, Beruf, der Vereinsführung und den eigenen Ein- sätzen als zugewandte Sterbebegleiterin selbst geschultert hat.

Fäden laufen zusammen
Seit dem 1. Januar laufen die Fäden bei Dieter Steger zusammen, der mit 30 Wochenstunden beim Hospizverein fest angestellt ist. Finanziert wird die Stelle über die Krankenkassen, bei denen es einen Sondertopf für solche Koordinatorstellen gibt.
Mit seiner beruflichen Vita bringt Dieter Steger alles mit, was an dieser Position gebraucht wird: Er ist gelernter Krankenpfleger, Diakon und studierter Sozialwirt, kennt die Arbeit in stationären und ambulanten Pflege- einrichtungen, hat die zurückliegenden zwölf Jahre ein Senioren- und Pflegeheim in Neustadt an der Aisch geleitet.

Als bei ihm der Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung reifte, entdeckte er für sich bei einem Prakti- kum beim Hospizverein Fürth und dem Besuch eines mehrwöchigen „Palliativ-Care-Kurses“ an der Hospizakademie Nürnberg, die Arbeit für Menschen am Übergang zum Tod. Die Idee, wieder „näher am Menschen“ arbeiten zu können und eine Aufgabe zu erfüllen, die „wirklich wichtig und wertvoll“ ist, hat ihn bewogen, sich initiativ beim hiesigen Hospizverein zu bewerben.

Sich selbst beschreibt der 53jährige als sensibel, empathisch, vom christlichen Menschenbild geprägt und als Mensch mit „sehr positiver Lebenseinstellung“. Berührungsängste kenne er nicht. Auch wenn „Sterben ja nicht immer schön ist“.
Als evangelischer Diakon gehört Dieter Steger der Rummelsberger Brüderschaft an. Deshalb wurde er in der vorvergangenen Woche von der evangelischen Kirchengemeinde mit einem Einführungsgottesdienst feierlich in seinen neuen Dienst eingesegnet und herzlich willkommen geheißen. Für die tägliche Arbeit im Hospizverein spielen jedoch Konfession, Religions- zugehörigkeit und Glaubensfragen keine Rolle. „Das ist uns ganz wichtig“, betont Agathe Meixner. Der Dienst am Menschen ist konfessionsneutral und uneingeschränkt für alle da, die Hilfe brauchen. Bedenken hinsichtlich der Hauptamtlichkeit beim Vorstand und den Mitgliedern waren schnell zerstreut, als Dieter Steger sich bei einer Vorstandsitzung persönlich vorgestellt hatte. „Ich bin mit offenen Armen aufgenommen worden und habe sofort Unterstützung von vielen Seiten bekommen“, so Steger.

Der Wechsel vom Chef über 70 Angestellte zum Dienstleister für 21 Ehren- amtliche fordert vom neuen Koordinator tagtäglich besonderes Fingerspitzengefühl; es ist eine Herausforderung, im Umgang stets den richtigen Ton zu treffen. „Die ehrenamtlichen Hospizbegleiter sind der Schatz des Hospizvereins und die wahren Profis. Sie müssen gewertschätzt, anerkannt und gepflegt werden,“ ist er überzeugt.
Stegers Aufgaben im Verein sind vielfältig: Er koordiniert die Einsätze der ehrenamtlichen Hospizbegleiter, ist künftig Ansprechpartner für alle Anfragen und die Kooperationspart- ner des Vereins. Außerdem organisiert er die Hospizbegleiterkurse und Schulungen und wirkt bei der Öffentlichkeitsarbeit mit.
Regelmäßig ist Dieter Steger auf der Palliativstation in der Kreisklinik anzutreffen. Die Station ist derzeit noch wichtigster Einsatzort der Hospizhelfer.

Betreuung zu Hause
Das könnte sich spätestens zu Beginn nächsten Jahres ändern. Mit der Anstellung des Hospizkoordinators hat der Hospizverein eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, dass im Landkreis Patienten künftig auch ambulant palliativ versorgt werden können. Vielleicht sogar schon ab Herbst, spätestens ab 1. Januar nächsen Jahres, soll die „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ (SAPV) an den Start gehen. Träger ist die Genossenschaft „SAPV Südfranken eG“, zu der sich die Kreisklinik Roth, das Krankenhaus Weißenburg, der Hospizverein Hilpoltstein-Roth und der Hospizverein Gunzenhausen zusammengeschlossen haben.
Es wird ein hochspezialisiertes Team aus Palliativ-Ärzten und Pallia- tiv-Care-Pflegekräften zusammenge- stellt, das todkranken Menschen die Möglichkeit eröffnen soll, auch die letzten Wochen und Tage des Lebens zuhause verleben zu können.
Die benachbarten Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Roth sind derzeit noch ein „weißer Fleck“ auf der Landkarte der ambulanten Palliativversorgung, auf die eigentlich seit 2007 für Patienten ein gesetzlicher Anspruch besteht.
Die Strukturen hinken hier den Anforderungen (noch) deutlich hinterher. Den Hospizvereinen wird neben dem medizinischen Personal bei der Betreuung der Patienten eine tragende Rolle zukommen.

Zur Sache:

Der Hospiz-Verein Hilpoltstein- Roth e.V. wurde im März 1998 gegründet. Derzeit verfügt der Verein über ein Team aus 21 geschulten ehrenamtlichen Hospiz- und Trauer-begleitern.
Sie schenken Zeit zum Zuhören und unterstützen Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase sowie Trau- ernde mit fachlich-einfühlsamer Begleitung. Das Angebot des Hospiz- vereins ist kostenlos und an keine formalen oder konfessionellen Bedin- gungen gebunden.
Neben Besuchsdiensten (vor allem auf der Palliativstation in der Rother Kreisklinik) und Einzelgesprächen zuhause oder in stationären oder ambulanten Einrichtungen, finden im Gruppenraum des Hospizvereins in der Bahnhofstraße 7 in Roth regelmäßige Treffen für Trauernde statt.
Das „Trauercafé“ öffnet an jedem ersten Freitag im Monat seine Türen. Es steht allen Interessierten offen und bietet in einem geschützten Rah- men Zeit und Raum, um sich mitzu- teilen, Anteil zu nehmen, zuzuhören, miteinander zu weinen und auch zu lachen.

Regelmäßig koordiniert und begleitet der Verein außerdem geschlossene Trauergruppen, die sich über acht Abende hinweg in unveränderter Runde treffen. Die aktuelle Gruppe ist Anfang März gestartet.
Der Verein informiert auch Rat- suchende bei Fragen rund um Patientenverfügung und Vorsorgevoll- macht oder vermittelt geeignete Stellen.
Im Oktober beginnt ein neuer Kurs für Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter, zu dem man sich bereits jetzt anmelden kann.

Bericht des Hilpoltsteiner Kurier vom 14.03.2017
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