Hospizbegleiter bilden sich im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen weiter.

Wie jedes Jahr verbrachten Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter des Hospiz-Vereins Hilpoltstein-Roth ein Wochenende in der Familientagungsstätte Sulzbürg in der Oberpfalz.
Ziel der Auszeit ist es, etwas Abstand von schwierigen Begleitungen zu bekommen, neue Hospizbegleiter in die Runde zu integrieren und  sich anhand konkreter Themen fit für die nächsten Begleitungen zu machen.

Da der Hospizverein zunehmend in den Altenheimen des Landkreises unterwegs ist, hatten sich die Ehrenamtlichen das Thema: „Einfühlsame Begleitung von Menschen mit Demenz“ gewünscht.

Hierzu konnte der Hospizverein Heike Keune gewinnen, eine ausgewiesene Expertin auf diesem Gebiet. Sie ist hauptberuflich Mitarbeiterin der Angehörigenberatung Nürnberg und Dozentin an der Nürnberger Hospizakademie.

Gleich zu Beginn erfuhren die Hospizbegleiter, dass „demenzkranke Menschen ihre Umwelt ganz anders wahrnehmen, als gesunde Menschen“. Es sei wichtig zu wissen, dass „Demenzkranke eine deutlich verlangsamte Aufnahmekapazität haben“, so Keune. Das bedeutet zum Beispiel, dass man sich Menschen mit Demenz langsamer als sonst üblich nähern sollte.

„Wenden Sie die Drei-A-Methode an“ ermunterte Heike Keune die Hospizbegleiter: „Das bedeutet, zuerst ansprechen, dann ansehen, eine kleine Atempause einlegen und anschließend haben sie (vielleicht) die volle Aufmerksamkeit des Gegenübers und sie können weiter kommunizieren“.

Keune wies darauf hin, dass man festgestellt hat, dass Menschen mit Demenz eine deutlich herabgesetzte Konzentrationsfähigkeit besitzen. „Machen sie kleinere Einheiten!“ ermunterte sie die Ehrenamtlichen. „Längere Gespräche strengen die Erkrankten deutlich mehr an, als bei Gesunden“ und: „seien sie einfach nur da – es muss nicht immer etwas passieren“ ermunterte sie die Helfer. Ein Grundsatz, der erfahrenen Hospizbegleitern nicht fremd ist, geht es bei Sterbebegleitungen doch oft nur darum, einfach „da zu sein“ und Nähe zu schenken.

Bei der Begleitung von an Demenz erkrankten Menschen ist es ganz wichtig zu wissen, dass als Erstes das „Ultra-Kurzzeitgedächtnis“ verloren geht. Danach verschwinden immer mehr Erinnerungen der letzten Jahre – doch am Längsten und Stabilsten bleiben die Erinnerungen der ersten fünfzehn Lebensjahre erhalten. Daran anzuknüpfen, kann Hospizbegleitern helfen, mit ihren Klienten noch in Kontakt zu treten. Hilfreich ist hier: „Je mehr sie von Angehörigen über diese Zeit erfahren, desto besser können sie sich in die Lebenswelt ihres Gegenübers einfühlen“. Und in seine Gefühlswelt. Denn am besten kann man Menschen mit fortgeschrittener Demenz helfen, indem man sich quasi „in ihre Gefühlswelt hinein“ begibt und dann ihnen dann ihre eigene Gefühlswelt „spiegelt“.

„Integrative Validation“ nennt sich das auf Neudeutsch und meint: „ich versuche zu erspüren, was mein Gegenüber gerade fühlt“. Gepaart mit persönlicher Echtheit (Heike Keune: „bitte lügen Sie Demenzkranke nicht an“) und steter Wertschätzung (egal wie herausfordernd und unverständlich das Tun und Reden des Gegenübers gerade ist).

Eine anspruchsvolle Aufgabe, der Angehörige von Demenzkranken oftmals rund um die Uhr ausgesetzt sind und die sie nicht selten an den Rand ihrer Kräfte bringt. Aber es ist auch eine Herausforderung für ehrenamtliche Hospizbegleiter, wenn sie  – manchmal nur für Stunden – im Haushalt der Familien oder am Bett im Altenheim verweilen.

Die zwanzig Teilnehmenden des Wochenendes waren dankbar über die kurzweilig und verständlich vorgetragenen Informationen und Übungen. Selbst langjährige „Hospizprofis“, oder Hospizbegleiter, die hauptberuflich in diesem Bereich tätig sind, lernten Neues dazu.

Der Rest des Gemeinschaftswochenendes verlief deutlich entspannter: Die Gruppe saß viel zusammen, man lernte die neuen Hospizbegleiterinnen aus dem vergangenen Kurs kennen, genoss die gute Versorgung in der evangelischen Familientagungsstätte und am Sonntag ging es noch mal raus in die Natur. Kerstin Forster aus Zirndorf führte die Gruppe durch „Wald und Wiesen“ rund um Sulzbürg und erläuterte, welche Vogelstimmen zu hören seien und zeigte anhand von Fotos, um welche Vögel es sich handelte. Immerhin 20 Arten trug man so zusammen.

Da die Zahl der Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter stetig wächst (mittlerweile sind es 30 Ehrenamtliche), sind die Wochenenden der Begegnung und Fortbildung immer wichtiger und eine große Bereicherung für alle Teilnehmer.

Bericht und Fotos: Dieter Steger