Ehrenamtliche Hospizbegleiter besuchen den Auhof und lernen, wie behinderte Menschen mit dem Verlust umgehen. Roth/Hilpoltstein (HK) Wie Trauern behinderte Menschen? Wie gehen Menschen mit einem Handicap mit dem Thema Tod und Sterben um? Diese Fragen beschäftigten eine Gruppe von ehrenamtlichen Hospizbegleitern des Hospizvereins Hilpoltstein-Roth, die den Auhof besichtigten.

Seit dem Dienstantritt des neuen, hauptamtlichen Hospizkoordinators Diakon Dieter Steger arbeiten der Hospizverein und der Auhof noch enger zusammen. Ziel ist es, sterbende Bewohner noch umfassender auf ihrem letzten Weg zu begleiten und das Personal durch ehrenamtliche Hospizbegleiter zu unterstützen. Hierzu wollten die ehrenamtlichen Hospizbegleiter den Auhof besser kennenlernen.

Diakon Klaus Geißdörfer, seit über 25 Jahren Mitarbeiter am Auhof, führte bei einem Rundgang über das weitläufige Gelände in die Geschichte der mittlerweile über sechzig Jahre alten Einrichtung ein. Als 1953 der Auhof von den „Rummelsberger Anstalten“, wie sie sich damals noch nannten, gegründet wurde, gab es bei behinderten Menschen noch Diagnosen wie „Debilität“ und „Idiotie“.
Man versuchte, sie möglichst weit weg von allen Ortschaften unterzubringen und kaum jemand wusste so recht, wie mit Behinderung umzugehen ist. Die Ängste waren groß.

Heute weiß man, dass Menschen mit einer kognitiven Störung niemanden etwas zuleide tun. Vielmehr geht der Trend zum inklusiven Wohnen, das heißt, gemeinsam mit der normalen Bevölkerung. Deshalb gibt es mittlerweile in Roth, Allersberg und Heideck Außenheime mit je 24 Bewohnern sowie eine Reihe von ausgelagerten Wohngruppen in und um Hilpoltstein. Doch auch am Auhof selbst leben weiterhin rund 300 Bewohner. Sie lernen dort, arbeiten und können sich am weitläufigen Dorfgelände frei und doch geschützt bewegen. Neben der schönen Kapelle „Zum guten Hirten“ besuchte die Gruppe auch den sogenannten „Trauergarten“. Dieser ist eine Gedenkstätte für verstorbene Bewohner des Auhofs.

Die dort aufgestellten Kreuze oder Skulpturen werden von Mitbewohnern der Verstorbenen gemeinsam gestaltet und geben etwas von dem wieder, was den behinderten Menschen einst ausmachte. So erinnert bei einem Fahrradliebhaber das Vorderrad eines Fahrrades mit Bild des Betroffenen an ihn; bei einem anderen verstorbenen Bewohner, der Autos sehr gern mochte, ein schlichtes Holzkreuz mit Nummernschild, auf dem „AU“ für Auhof, sein Namenskürzel und die Nummer seiner Wohngruppe steht. Wie Klaus Geißdörfer berichtete, trauern Menschen mit Behinderung genauso um vertraute Personen, wie jeder andere. Sie zeigen auf eigene Weise ihre Gedanken, Gefühle, Fragen und Sorgen. Mehr noch als Menschen, die sich differenzierter sprachlich ausdrücken können, drücken sie sich stärker über den Körper und ihr Verhalten aus. Dabei sind ihre Wege und das, was genau sie beschäftigt, so verschieden, wie Menschen als individuelle Persönlichkeiten eben sind. Werden nicht behinderte Menschen oft vom Verstand geleitet, stehen bei Menschen mit Behinderung die Emotionen im Vordergrund. Trauer, Freude, Wut, Lachen – all das kommt bei ihnen unmittelbar und ungefiltert zutage. Diese „Echtheit“ ist eine Stärke, die viele schätzen, die mit Menschen mit geistiger Behinderung zu tun haben.

Den Mitarbeitenden am Auhof ist es wichtig, dass nach Möglichkeit genug Zeit zum Abschied nehmen bleibt, denn dies wirkt über längere Zeit nach. Ist ein Bewohner verstorben, gestaltet der Seelsorger des Auhofs, Diakon Gerhard Lechner, oder ein anderer Diakon, eine Abschiedsandacht mit den Mitbewohnern. Dort ist für alle Gelegenheit, zu beten und auszusprechen, was man seinem verstorbenen Mitbewohner gerne mit auf den Weg geben möchte.
Gesten und Rituale helfen, Trauer und Schmerz auszudrücken und miteinander zu teilen.

Zum Ende der Veranstaltung bekannte Diakon Geißdörfer: „Die jahrzehntelange Arbeit am Auhof hat mich bereichert. Ich habe viel gelernt von Menschen, die landläufig als behindert gelten.“ Diese Erfahrung konnte Hospizkoordinator Dieter Steger nur bestätigen, der ebenfalls stundenweise am Auhof tätig ist. Er betonte für die Hospizbegleiter, dass sie eine ganz neue Sichtweise auf die große Einrichtung gewonnen hätten.

Foto: Die Hospizbegleiter erfahren in der Hilpoltsteiner Einrichtung, wie Menschen mit Behinderung trauern.
Dieter Steger