Brigitte Burkert, langjährige Hospizbegleiterin unseres Hospizdienstes antwortet.


Wie blicken sterbende Menschen auf ihr Leben zurück?
Sprechen Sie darüber, was sie im Rückblick anders gemacht hätten? Die Lebensrückblicke sind, wie die Menschen, sehr unterschiedlich. Manche sprechen von Kriegszeiten, Vertreibung, Flucht und dem Neubeginn fern der Heimat. Andere beschäftigen sich mit ihrer Kindheit, Jugend und Familie.

Ich erinnere mich an einen Sterbenden, der mit seiner Vergangenheit gehadert hat, weil er alles Schöne für die Zeit nach dem Renteneintritt aufheben wollte. Das hat sich durch seine Krankheit zerschlagen.

Abgebrochene Kontakte zu Familienmitgliedern sind nicht selten belastend in den letzten Stunden. Als Hospizbegleiter bevorzugen wir die Frage „Was war gut in Ihrem Leben“. Das verhindert wahrscheinlich oft negative Abrechnungen.

Gehen gläubige Menschen anders mit dem Sterben um als Menschen, für die der Glaube im Leben keine Rolle gespielt hat?
Wenn jemand von sich aus, das Thema „Gott und Religion“ anspricht, gehe ich gerne darauf ein. Gläubige Menschen finden oft Trost und Geborgenheit in einem Gebet, Psalm oder einem Liedvers. Es kommt auch vor, dass jemand mit „seinem“ Gott wegen seiner Krankheit hadert. Auch jenseits der Religion sind tiefgründige Gespräche über den Sinn des Lebens am Krankenbett nicht selten.

Was kann man aus Ihrer Erfahrung als Hospizbegleiter von sterbenden und schwerkranken Menschen für das eigene Leben lernen?
Mein Leben bekommt durch die Erfahrungen an Sterbebetten mehr Sinn und Tiefe. Die Lebensgeschichten berühren meine Seele, dafür bin ich dankbar. Für mein Leben habe ich gelernt, Stille auszuhalten, wenn Reden nicht mehr möglich ist.

„Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht, das notwendigste Werk ist stets die Liebe zum Mitmenschen.“
Meister Eckhart